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Warum ein neues Türkei-Blog?

„Der Turbostaat Türkei“, „Die Türkei: China Europas“, „Türkische Wirtschaft boomt“… In den letzten Jahren sparen die Medien in Deutschland nicht mit Lob in ihrer Berichterstattung über die Türkei. In Zeiten gestiegenen öffentlichen Interesses an der Türkei, wie z.B. bei Besuchen türkischer Politiker in Deutschland oder Gegenbesuchen deutscher Politiker am Bosporus stimmen die Mainstream-Medien ausschließlich überschwängliche Lobeshymnen auf ein Land an, dessen „Wirtschaft boomt“, das „vor Selbstbewusstsein strotzt“ etc.

Die mediale Euphorie macht allerdings keineswegs Halt vor den wirtschaftlichen Entwicklungen. Auch politisch, insbesondere außenpolitisch wird der Türkei eine wachsende Rolle attestiert. Nach ihrer Ansicht gibt es an der türkischen Demokratie nichts auszusetzen, wenn man von einigen wenigen Ausnahmen absieht. Glaubt man dem Grundtenor in den Medien, steht man auch in der kurdischen Frage unmittelbar vor der Lösung. Ein Land, das Westerwelle eine „Brücke in die islamische Welt“ nennt; eine „neo-osmanisch ausgerichtete Regionalmacht“, die für die Länder im Nahen Osten als Modell angepriesen wird… Kurzum: Die Türkei ist der aufsteigende Stern am orientalischen Himmel.

Kratzt man an diesem mit effektiver, medialer Irreführung geschaffenem Image, tritt ein anderes Bild der Türkei ans Tageslicht: Ein „Wirtschaftsboom“, der aufgrund des großen Handelsbilanzdefizits äußerst brüchig ist und auf den sehr schnell ein Knall folgen kann; eine wirtschaftliche Entwicklung, die die Schere zwischen Arm und Reich sehr weit geöffnet und weite Teile der Bevölkerung in Armut und Verelendung getrieben hat. Auch innen- und außenpolitisch sehen wir auf der berühmten Rückseite der Medaille ein ganz anderes Bild: Repressionen gegen die demokratische Opposition, inhaftierte Politiker und Journalisten und das Beharren auf einer Kriegspolitik bei der kurdischen Frage passen nicht so Recht zu dem gezeichneten Bild von einem demokratischen Staat. Vor dem Hintergrund der Verschlechterungen in der gesellschaftlichen Situation von Frauen, Unterdrückung jeglicher gesellschaftlicher Opposition erscheint die Türkei als Modell für einen demokratischen Rechtsstaat nicht gerade prädestiniert.

An die Stelle der vor einem Jahrzehnt ausgegebenen Losung in der Außenpolitik von der „Null-Problem-Beziehung mit den Nachbarstaaten“ ist heute der Traum von einer Regionalmacht getreten, die im Clinch mit allen neun Nachbarn liegt. Die Enkel osmanischer Sultane haben sich vorgenommen, die eigenen Interessen in Einklang mit den Hegemonieplänen der imperialistischen Mächte, besonders der USA zu bringen und auf diesem Wege das neo-osmanische Imperium aufzubauen.

TÜRKEI[aktuell]  möchte dazu beitragen, am in Europa herrschenden Türkei-Image zu kratzen. Mit Analysen, Hintergrundinfos sowie aktuellen Berichten und Interviews wird unser Newsletter bzw. Bulletin das Augenmerk der Öffentlichkeit auf die Rückseite der Medaille zu richten versuchen. Dossiers zu wirtschafts-, innen- und außenpolitischen Themen sollen Interessierte in der Bundesrepublik bei ihrer Öffentlichkeits- und Solidaritätsarbeit unterstützen. Nicht zuletzt die Folgen der Außenpolitik der EU und insbesondere der Bundesregierung werden wir dabei besonders unter die Lupe nehmen.

Wir hoffen gleichzeitig, die Erfahrungen der demokratischen Kräfte, der kurdischen Freiheitsbewegung, der Gewerkschafts-, Jugend- und Frauenbewegung in der Türkei für demokratische Organisationen in Deutschland nutzbar machen zu können. Denn im Bezug auf die Türkei werden in den Medien hierzulande nicht nur die oben angerissenen Hintergründe verschwiegen, sondern auch diese Erfahrungen, denen wir eine bescheidene „Modell-Rolle“ zuschreiben.

Unser Ziel ist, zur Beseitigung der oben beklagten Informationsdefizite und der Desinformation im Hinblick auf die Türkei beizutragen. Das so genannte „Informationszeitalter“ kennzeichnet die Verbreitung von Un- und Halbkenntnis durch die Mainstream-Medien. Mit unserem Portal möchten wir eine kleine Lücke in diese Desinformationsfront reißen und brauchen dabei die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wir laden Sie ein, unsere Arbeit mit Kritik zu begleiten und uns bei der Verbreitung unseres Newsletters bzw. Informations-Bulletins zu unterstützen.

Die Redaktion

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