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Streik in Istanbul: Wir sind in Trauer, im Widerstand, in Streik

Streik in Istanbul: Wir sind in Trauer, im Widerstand, in Streik 

In Istanbul streiken die Arbeiter aus dem Gesundheits- und Sozialdienst und fordern die lückenlose Aufdeckung der Tat und der Hintermänner des Ankara Massakers. „Wir sind in Trauer, im Widerstand, in Streik“, so die Arbeiter, die ihren Kampf für Frieden, Freiheit und Demokratie weiterführen werden. Berufsverbände und Gewerkschaften, demokratische Organisationen und arbeiternahe Parteien kamen vor der medizinischen Fakultät in Istanbul Capa zusammen, um eine Schweigeminute um 10:04 Uhr, der Explosionszeit der Bomben, abzuhalten. Neben den Arbeitern aus dem Sozialdienst rief auch der Verband der Leiharbeiter zu der Trauerfeier auf. Auch Studierende der medizinischen Fakultät an der Universität zu Istanbul sind sich einig: „Bis die Mörder zur Rechenschaft gezogen werden, geht es uns nicht gut, wird es uns auch nicht gut gehen!“ 

Die Arbeiter werden die Regierung zur Rede stellen

Die Arbeiter fordern die Wahlregierung auf, zurückzutreten. Ihre Kritik: Notärzte und Krankenwagen wurden nicht zu den Verletzten durchgelassen, Helfer wurden seitens der Polizei mit Tränengas beschossen. Innenminister Selami Altinok beteuerte jedoch mehrfach, dass es keinerlei Defizite bei den Sicherheitsvorkehrungen während der Kundgebung in Ankara gegeben habe. 

„Wir wollen Frieden!“

Bei dem Streik, an dem sich 60% der Beschäftigten beteiligten, sprach die Abteilungsvorsitzende der SES (Gewerkschaft der Sozialen Arbeit), Fadime Kavak. Sie betonte, dass die Arbeiter und Angestellten der Gesundheits- und sozialen Dienste trotz der andauernden Gewalt für eine gleichberechtigte, freie und demokratische Türkei weiterhin kämpfen werden. Sie verurteilte die Regierung, die durch ihre hass- und angstschürende und gewaltbereite Politik das Land in Brand steckt und dabei versucht, sich selbst zu retten.

Die Sprecherin des Türkischen Ärztebundes, Dr. Ebru Yilmaz, sagte: „Unterdrückung und ideologische Repression reichte nicht, jetzt nehmen sie uns das Leben. Aber wir werden nicht mehr zurückschrecken. Das sind ihre letzten Bemühungen. Wir wollen Frieden!“ Tülin Sönmezgil, die Vorsitzende der Zahnärztekammer sagte: „Wir sind entschlossen gemeinsam, in Frieden und gegen Entgeltung unserer Arbeitskraft den Kampf um das Leben weiterzuführen.“ An dem Protest nahmen nicht nur Arbeitskräfte teil, sondern auch die Patienten und ihre Angehörigen. 

„Die Verantwortlichen sind bekannt“

Die Arbeiter aus der Uniklinik aus Cerrahpasa, der Uniklinik und Kardiologie aus Haseki und dem städtischen Krankenhaus Samatya verlasen ebenfalls um 10:04 eine gemeinsame Erklärung. Bei den Erklärungen vor jeweils der Haseki Klinik und dem städtischen Krankenhaus Samatya nahmen auch die Medizinstudenten der Kliniken teil. Nachdem einer Trauer- und Schweigeminute sprach die Vorsitzende der Istanbuller Ärztekammer, Duygu Fidan: „Die Verantwortlichen für die Anschläge in Ankara sind bekannt. Diese Verantwortlichen konnten am 7. Juni ihr Verlangen nach einer Diktatur nicht ausleben. Sie scheiterten an ihrem Verlangen nach 400 Abgeordneten. Diese Verantwortlichen geben den Mördern Waffen in die Hand und ermöglichen ihnen die Gewaltbereitschaft. Diese Verantwortlichen, die mit ihrem Verlangen nach dem Thron, das Land in Blut versenken.“

Mertcan Koc, ein Vertreter der Medizinstudenten erklärte: „Wo die Regierung sonst so starke Sicherheitsvorkehrungen trifft, hat sie dieses Mal im Zentrum von Ankara versagt. Das zeigt nur, dass sie beide Augen zudrücken.“ 

Die Ämter sind leer 

Die Istanbuler Sektion der Gewerkschaft der Büroangestellten rief zu einer Kundgebung vor dem Rathaus auf, um gegen das Massaker in Ankara zu protestieren. Ein Kollege, Özver Gökhan, war in Ankara bei der Explosion ums Leben gekommen. Hunderte seiner Arbeitskollegen betonten: „Wir sind nicht in Trauer, wir sind im Widerstand.“ Zu der Kundgebung hatte auch die KESK aufgerufen. 

„Unser Schrei nach Frieden wird lauter“ 

„Wir hatten zur Kundgebung eingeladen, um für den Frieden einzustehen. Wir haben daran geglaubt, dass eine andere Türkei möglich ist. Aber durch zwei Anschläge wurden unsere Lieder durch Angstschreie ersetzt.“ sagte Özer Avanaj. Avanaj betonte außerdem, dass man sich bei ähnlichen Ereignissen an die Krokodilstränen der Regierung gewöhnt habe. Allerdings scheuten sich die Minister bei diesem Massaker nicht, vor laufender Kamera zu lachen. „Ihr habt das Land in den Sumpf des Nahen Ostens verwandelt. Selbst wenn ihr 4000 Minister hättet, ihr habt keine Chance, dieses Land zu regieren. Wir werden nicht zurückschrecken und unsere Schreie nach Frieden werden lauter werden.“ fügte er noch hinzu. Der erste Vorsitzende der Gewerkschaft BES, Akin Sisman, sagte: „Diejenigen, die die Anschläge nicht verhindern konnten, verhinderten vehement unsere Versuche, unsere Trauer vor Ort kundzutun. Sie haben gedacht, dass wir nun still würden, dass wir unseren Kampf aufgeben würden. Aber wir werden zu Zehntausenden mit unseren Arbeitern aus dem öffentlichen Dienst unsere Verstorbenen begleiten. Die Hofherrschaft soll wissen, dass wir von unserem Kampf um Arbeit, Demokratie und Frieden niemals abweichen werden.“

 

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