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Die Chronologie des Massakers

Der Bombenanschlag vom 10. Oktober in Ankara war kein überraschendes Ereignis. Es ist die vorerst letzte Stufe der Gewalt, die durch die AKP Regierung über die Türkei losgetreten wurde. Hier eine Chronologie der politischen Ereignisse die zu dem Terroranschlag in Ankara führten:

  • Die Friedensgespräche zwischen der PKK und der türkischen Regierung werden, trotz gegenseitigen Misstrauen und Kritik, bis zu den Parlamentswahlen am 7 Juni fortgeführt.

  • Die Schlüsselfrage der Wahlen war, ob die AKP die alleinige Mehrheit im Parlament erlangen könnte. Diesem Ziel stand die HDP, mit ihren Forderungen nach Demokratie und Frieden gemeinsam mit ihren vielfältigen Unterstützerkreisen gegenüber. Damit die HDP an der 10 % – Hürde scheitern sollte, wurde eine Hetzkampagne seitens der AKP – Regierung gestartet, die in Angriffen auf mehr als 100 Parteibüros der HDP mündete. Die Parteibüros der HDP in Adana und Mersin wurden bei Bombenangriffen zerstört. Dabei kam glücklicherweise niemand ums Leben.

  • Am 5. Juni verloren bei einem Bombenangriff auf eine Wahlveranstaltung der HDP auf dem Bahnhofsvorplatz in Diyarbakir 4 Menschen ihr Leben.

  • Allen Provokationen zum Trotz erlangte die HDP 13,1 % der Stimmen und zog mit 80 Abgeordneten als drittgrößte Fraktion ins Parlament ein. Die AKP verfehlte zum ersten Mal nach 13 Jahren die absolute Mehrheit.

  • Bereits kurz nach den Wahlen erklärte Präsident Erdogan, dass Koalitionsregierungen ungeeignet für die Türkei sein. Es solle am besten erneut gewählt werden.

  • Am 20. Juli ereignete sich ein Selbstmordattentat der IS in Suruc an der syrischen Grenze auf eine Gruppe von Jugendlichen, die sich aufgemacht hatten um humanitäre Hilfe in Kobane zu leisten. 34 Menschen starben bei diesem Anschlag.

  • Zwei Tage nach dem Attentat in Suruc wurden zwei Polizisten in Sanliurfa ermordet.

  • Nach der Ermordung der zwei Polizisten erklärte die AKP Regierung die Friedensgespräche mit der PKK für gescheitert und ordnete militärische Operationen in allen kurdischen Provinzen an. Stellungen der PKK im Irak wurden über mehrere Tage mit Kampfflugzeugen bombardiert.

  • Die AKP als größte Fraktion kam ihren Auftrag zur Regierungsbildung nur ungenügend nach, erweckte eher den Eindruck alles dafür zu unternehmen, dass keine Regierung zustande kommt. Nach der gesetzlichen Frist von 40 Tagen setzte die AKP – Regierung für den 1. November Neuwahlen an.

  • Neben der AKP, erklärten sich zwei Abgeordnete der HDP mit der Zustimmung Erdogans bereit Ministerposten in der Übergangsregierung bis zu den Neuwahlen zu übernehmen. Die anderen Parteien weigerten sich Ministerposten anzunehmen.

  • In den kurdischen Provinzen nahmen die gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen täglich Soldaten und Guerilla ihr Leben verloren, zu. In den kurdischen Siedlungsgebieten rief die Regierung den Kriegszustand aus. Tagelange Ausgangssperren und die Verhaftung gewählter Bürgermeister wurden zur Regel.

  • In den 82 Tagen zwischen dem 20. Juli und dem 10. Oktober kamen laut offiziellen Erklärungen 80 Soldaten, 62 Polizisten, 3 Sicherheitskräfte und 341 PKK Mitglieder um Leben. In der gleichen Zeit verloren 113 Zivilisten, 20 davon Säuglinge und Kinder, in der Region ihr Leben.

  • In den westlichen Provinzen der Türkei begann eine nationalistische Hetzjagd gegen die HDP und Kurden. Parteibüros der HDP und Geschäfte und Häuser von Kurden wurden angegriffen und angezündet. Ein Mensch wurde auf offener Straße zu Tode geprügelt weil er kurdisch sprach.

  • Die PKK erklärte am 8. Oktober aufgrund der Wahlkampfphase, dass sie sich auf einen Waffenstillstand vorbereite. Nach dem Bombenanschlag am 10. Oktober wolle die PKK auf Waffengewalt verzichten, solange sie nicht angegriffen werden.

  • Seit dem die Angriffe in den kurdischen Provinzen am 22. Juli begonnen haben, erstarkte die Friedensbewegung in der gesamten Türkei. Gewerkschaften, Berufsverbände, Intellektuelle und Künstler, Schüler und Studenten forderten in immer größer werdenden Protesten ein Ende der Kriegspolitik der AKP Regierung.

  • Am 10. Oktober wurde nach Aufruf von Gewerkschaften und Berufsverbänden in der türkischen Hauptstadt eine Kundgebung veranstaltet, in der zehntausende Menschen das Ende der Waffengewalt, Brüderlichkeit und Frieden forderten. Zwei Selbstmordattentäter, die der IS zugeschrieben werden verübten den blutigsten Bombenanschlag der türkischen Geschichte.

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