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Dem Massaker folgten Wut, Proteste und Streiks

Im Anschluss an das Massaker in Ankara riefen die Gewerkschaften KESK und DISK, sowie die Berufsverbände TTB und TMMOB, in der Türkei unter dem Motto: „Alltag stoppen“ zu einem zweitägigen Generalstreik in der kompletten Türkei auf. Folglich fanden in vielen Städten der Türkei Demonstrationen und Streiks statt. Von Lehrern bis hin zum medizinischem Personal, aber auch Beamte und  ein bedeutender Teil der Arbeiter aus der Metallindustrie folgten diesem Aufruf ihrer Gewerkschaften und traten nicht nur in den Generalstreik, sondern forderten Rechenschaft von den Verantwortlichen für dieses Massaker.

Nach dem blutigsten Ereignis in der jüngsten Geschichte der Türkei, welches sich am 10. Oktober 2015 ereignete, waren der Schmerz und die Wut der Bevölkerung im gesamten Land zu spüren. Jedoch überwog nicht die Trauer. Die Reaktion der Bevölkerung zeigte sich vor allem in Form von organisierten Protesten, in denen die klare Forderung ausgesprochen wurde, dass die Verantwortlichen für dieses Massaker zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Während auf der einen Seite die Verstorbenen mit Slogans und Tränen der Angehörigen auf ihrem letzten Weg begleitet wurden, folgten auf der anderen Seite durch den Aufruf von KESK, DISK, TTB und TMMOB zum Generalstreik in nahezu allen Städten der Türkei Kundgebungen, Proteste und Mahnwachen. Nicht nur die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, sondern auch die Arbeiter in den Betrieben brachten in den meisten Städten die Produktionsbänder zum Stehen.
Vor allem in den Großstädten, wie Istanbul, Izmir und Ankara, waren die Arbeiter zu Zehntausenden auf den Straßen und protestierten, wie aus einem Mund, unter dem Motto: „Wir trauern, wir rebellieren, wir werden nicht vergessen, wir werden nicht vergeben!“
Während man in den Reden immer wieder hören konnte, dass die Verantwortung dieses Massakers bei der Person liegt, die in dem illegalen Palast mit über 1000 Zimmern lebt und der aktuellen Übergangsregierung, die momentan nur als Kriegstreiber fungiert, war dennoch immer die klare Botschaft, dass man trotz dieser Massaker und Bombenanschläge nicht abkommen wird von der Forderung nach Frieden.
Während der Aktionen, die sich über die gesamte Türkei ausstreckten, bei denen sich teils Einhundert, teils Eintausend, aber teils auch Zehntausende befanden, waren immer wieder ähnliche Slogans zu hören oder Transparente zu sehen, wie: „Märtyrer von Arbeit, Frieden und Demokratie“, „Der Palast fordert Krieg, die Völker wollen Frieden“, „Der Mörderstaat wird Rechenschaft geben“, „Niedergang den Palästen, Freiheit den Völkern“, „Regierung, Rücktritt“, „Der Mörder sitzt im Palast, such ihn nicht woanders“.

Die Polizei knüppelt die Arbeiter und lässt die Täter laufen

Eine Auffälligkeit bei den Protestaktionen, welche das Massaker verurteilen, ist, neben vielen anderen Städten, aber vor allem in Istanbul und Ankara das harte Durchgreifen der Polizei, die stets versucht Proteste dieser Art im Keim zu ersticken. Während die Arbeiter, Beamten, Jugendlichen und Frauen versuchen eines der schrecklichsten Massaker in der Türkei zu verurteilen, werden sie konfrontiert mit der schieren Gewalt der Polizei. Diese Haltung der Polizei sorgte bei vielen Aktionen in den verschiedensten Städten der Türkei für angespannte Momente. Eines dieser Beispiele ist die Demonstration vom 13. Oktober in Istanbul, zu der KESK, DISK, TMMOB und TTB aufgerufen hatten. Nachdem die Polizei die Entscheidung des Gouverneursamts, die Demonstration sei aus Sicherheitsgründen verboten worden, bekannt gab, kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Hüseyin Demirdizen, ein Vorstandsmitglied der TTB (= Türkische Einheit der Ärzte), gab im Anschluss folgendes Statement: „Stoppt die Führung, die sich nur mit Gewalt zu helfen weiß, damit wir nicht erneut Opfer beklagen müssen. Stoppt diese Führung, damit wir miteinander leben können. Wir sind hier, um die Menschen nicht alleine zu lassen, deren Herz schmerzt. Unterdrückung, Gewalt und Angstmache hilft nicht gegen Tod. Ihr müsst endlich den Stimmen der Menschen dieses Landes euer Gehör schenken“.

Wo es Massaker gibt, kann es keinen Unterricht geben
Der Aufruf einiger Gewerkschaften und Berufskammern fand auch Anklang bei der Jugend. Über die gesamte Türkei hinweg, boykottierten Schüler, Studenten, Lehrer und Dozenten über zwei Tage den Unterricht, um ihrem Unmut über dieses Massaker Ausdruck zu verleihen.
Während der zwei Tage, in denen die Schüler nicht in den Unterricht gingen, organisierten sie Foren, bei denen sie gemeinsam über Diskussionen, Flashmobs und Transparente ihren Zorn zu dem geschehenen Massaker zum Ausdruck brachten. An einigen Schulen und Universitäten konnte man auch sehen, wie symbolische Bäume für den Frieden gepflanzt wurden.

 

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